Basisausbildung

Informationen zur Basisausbildung

Bezeichnung: Kommunales Finanzmanagement und Treasury
Abschluss: Zertifikat „Kommunales Finanzmanagement und Treasury“

An wen richtet sich das Seminar?

  • Die Ausbildung richtet sich an Mitarbeiter im kommunalen Treasury / Finanzmanagement, die sich auf diesem Gebiet weiterbilden wollen, ohne jedoch ein Bachelor- oder Masterstudium zu absolvieren.
  • Vorkenntnisse, Ziele und Interessen der Teilnehmer werden berücksichtigt.

Was lerne ich im Seminar?

  • Die Ausbildung ist praxisnah und problemorientiert.
  • Sie erhalten im Seminar ein fundiertes und aktuelles Wissen zu den zentralen Fragen des Finanzmanagements zugeschnitten auf die Spezifika von Kommunen und kommunalen Unternehmen.
  • Sie lernen u. a. an praktischen Beispielen Anlageentscheidungen zu treffen, die Zinsbelastung zu steuern, angebotene Finanzkonstruktionen zu verstehen, Prognosen zu erstellen oder die relevanten Vorschriften und Gesetze zu beachten.
  • Die Themen im Einzelnen sind:
    • Die Prüfung des kommunalen Treasury durch Prüfungsämter
    • Die rechtlichen Grundlagen des kommunalen Treasury
    • Wie legt man Geld an?
    • Portfoliooptimierung bei Niedrigzinsen
    • Die Praxis der Kreditaufnahme
    • Optimales Schuldenmanagement
    • Prognosen erstellen
    • Prognosen Dritter bewerten
    • Der rechtliche Rahmen des kommunalen Treasury
    • Finanzmärkte, Strategien und Produkte
    • Gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge, Volkswirtschaft
    • Risikoanalysen
    • Die Steuerung des Risikos

Nach der Teilnahme…

…werden Sie eigene Entscheidungen operativ und strategisch optimieren können. Sie werden die Rechtslage und Prüfungsanforderungen bei Ihren täglichen Entscheidungen beachten können. Sie werden die Auswirkungen verschiedener Handlungsalternativen erkennen und beurteilen können.
Zusätzlich werden Sie in regelmäßig angebotenen Erfahrungsgruppen Ihre Erfahrungen und aktuellen Probleme im Kreise anderer kommunaler Mitarbeiter diskutieren und Ihr Wissen weiter festigen können.

Wer sind die Dozenten?

Die Dozenten stammen von Universitäten und anderen wissenschaftlichen Hochschulen sowie von Rechnungsprüfungsämtern und aus der Praxis des kommunalen Finanzmanagements und Treasury sowie aus Banken. Sie verfügen über das notwendige wissenschaftlich-konzeptionelle Hintergrundwissen und praktische Kenntnisse des Arbeitens im kommunalen Finanzmanagement. Die Dozenten sind:

  • Prof. Dr. Binus, Präsident Sächsischer Rechnungshof
  • Frau Dr. Glaser, BA Leipzig, Schwerpunkt Controlling
  • Prof. Dr. Gramlich, TU Chemnitz, Schwerpunkt Recht der Kommunen
  • Herr E. Grunwald, Treasurer Stadt Recklinghausen
  • Frau Prof. Dr. Kruse, Sparkassenhochschule, Schwerpunkt Kapitalmarkt
  • Herr Dipl. Bankbetriebswirt Werner Lorbach, Schwerpunkt Prognosen
  • Prof. Dr. Luderer, TU Chemnitz, Schwerpunkt Finanzmathematik
  • Prof. Dr. Thießen, TU Chemnitz, Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre
  • Prof. Dr. Wendler, Hochschule Aschaffenburg, Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre
  • Prof. Dr. Zeranski, Ostfalia Hochschule, Finanzdienstleistungen und -management

Was ist das ZKFM?

  • Das ZKFM ist eine Gemeinschaftseinrichtung von Hochschulen und Kommunen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ausbildung im kommunalen Finanzmanagement und Treasury anforderungsgerecht zu fördern.
  • Das ZKFM will den Kommunen helfen, die Anforderungen, die Aufsichtsbehörden, Prüfungsämter und Ministerien setzen, zu erfüllen und bestmögliche Leistungen im Finanzmanagement zu erzielen.
  • Das ZKFM bietet Basisausbildungen für alle Mitarbeiter der Kommunen und kommunalnahen Betriebe an, die ihre Kenntnisse erweitern und vertiefen wollen (mit Zertifikaten). Dazu werden Spezialistenseminare zu ausgewählten Themen angeboten.
  • Und, und, und …
  • Weitere Informationen erhalten Sie auf den Internetseiten des ZKFM .

Warum gibt es die Basisausbildung kommunales Finanzmanagement und Treasury?

Die Anforderungen an die Mitarbeiter haben sich in den letzten Jahren erhöht.

  • Die Produkte und Strategien sind komplizierter geworden.
  • Die Finanzmärkte haben ihre frühere Stabilität verloren.
  • Die Gesetzgebung und die Rechtsprechung zum kommunalen Finanzmanagement stellen hohe Anforderungen.
  • Die Aufsichtsbehörden reagieren mit neuen Anforderungen an den Ausbildungsstand der Mitarbeiter und die Organisationsstrukturen.

Anforderungen an Kommunen:

  • Die Organisationsstruktur der kommunalen Finanzverwaltung muss kaufmännischen Grundsätzen genügen. Die erlaubten Geschäfte und Strategien müssen der Größe und der Struktur der Finanzverwaltung angepasst sein.
  • Kommunen dürfen keine Geschäfte tätigen, für die sie keine Expertise besitzen und deren Folgen sie nicht genau genug absehen können.
  • Mitarbeiter sind laufend so fortzubilden, dass sie die Kenntnisse und Qualifikationen besitzen, die es ihnen ermöglichen moderne Finanzinstrumente sachgerecht einzusetzen.
  • Die Organisation des Finanzbereiches ist so vorzunehmen, dass ein unabhängiges Controlling zur Entscheidungsvorbereitung, ein System zur Kontrolle aller relevanten Aspekte bei der Entscheidung selbst, eine Verlaufskontrolle und eine ex post-Kontrolle erkennbar sind.
  • Kommunale Unternehmen in Privatrechtsform sollen die notwendige kaufmännische Erfahrung und Sachkunde besitzen und sich regelmäßig kaufmännisch fortbilden.
  • Etc.

Anforderungen an Mitarbeiter:

  • Mitarbeiter im kommunalen Treasury müssen die Fähigkeit haben, die vorhandenen Potentiale zur Optimierung von Maßnahmen zu erkennen.
  • Mitarbeiter müssen die Fähigkeit haben, kompetent mit Anbietern von Finanzprodukten zu verhandeln
  • Mitarbeiter im kommunalen Treasury müssen laufend Marktbeobachtungen vornehmen und in der Lage sein, die gewonnenen Informationen auszuwerten.
  • Mitarbeiter müssen in der Lage sein, Chance-Risiko-Profile von Produkten und Strategien zu erstellen.
  • Mitarbeiter müssen Wirtschaftlichkeitsanalysen und Folgekostenberechnungen für alle Maßnahmen im Treasury erstellen und dokumentieren können
  • Mitarbeiter müssen erkennen, welche Derivate welchen Grundprodukten (z.B. Krediten) gleichen, um die kommunalen Vorschriften der Grundprodukte anwenden zu können (z.B. ein Kreditaufnahmeverbot).
  • Mitarbeiter müssen die bilanzrechtlichen Anforderungen an die Bildung, Bewertung und Beurteilung von Bewertungseinheiten beim Einsatz von Derivaten kennen.
  • Etc.

Was sind die Inhalte des Grundlagenseminars im Detail?

Die Ausbildung ist modular aufgebaut. Es gibt 9 Module, die an 3 * 2 Präsenztagen unterrichtet werden.

  • Modul 01: Rechtsverständnis 0,5 LP
  • Modul 02: Prüfungsverständnis 0,5 LP
  • Modul 03: Controllingverständnis 1 LP
  • Modul 04: Volkswirtschaftsverständnis 0,5 LP
  • Modul 05: Prognoseverständnis 0,5 LP
  • Modul 06: Finanzmathematikverständnis 1 LP
  • Modul 07: Finanzmärkteverständnis 1 LP
  • Modul 08: Derivateverständnis 0,5 LP
  • Modul 09: Risikosteuerungsverständnis 0,5 LP

Modul Rechtsverständnis:
Lernen Sie die die wichtigsten Rechtsgrundlagen für das kommunale Treasury kennen. Lernen Sie erkennen, welche Rechtsfolgen typische Handlungen im kommunalen Treasury haben.
Modul Prüfungsverständnis:
Lernen Sie die Grundzüge der Prüfungstätigkeit von Aufsichtsorganen der Kommunen für das kommunale Treasury kennen. Lernen Sie, das kommunale Treasury prüfungsgerecht zu organisieren.
Modul Controllingverständis:
Lernen Sie die Grundlagen des Controllings kennen. Lernen Sie, wie man verschiedene typische Geschäfte überwacht. Welche Aspekte sind zu überwachen? Welche Kennziffern haben sich bewährt.
Modul Volkswirtschaftsverständnis:
Lernen Sie die Grundzüge der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge kennen. Wie bilden sich Zinssätze? Welche Zinsstrukturen gibt es? Welche volkswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten sind für das Arbeiten im kommunalen Treasury relevant.
Modul Prognoseverständnis:
Lernen Sie, wie Finanzmarktprognosen aufgebaut sind. Erlernen Sie die Schritte zu einer fundierten Prognose. Lernen Sie die Grenzen der Prognosetätigkeit kennen. Üben Sie, eine sachgerechte Zinsmeinung zu entwickeln.
Modul Finanzmathematikverständnis:
Lernen Sie die mathematischen Gesetzmäßigkeiten typischer Vorgänge im kommunalen Treasury kennen. Ist eine Tilgungsaussetzung neutral oder kostet sie etwas? Entwickeln Sie ein Verständnis für die Hintergründe komplexe Produkte und Strategien.
Module Finanzmärkte- und Finanzprodukteverständnis:
Lernen Sie die Verhaltensweisen typischer Marktteilnehmer an den Finanzmärkten und deren Gesetzmäßigkeiten kennen. Lernen Sie die Triebkräfte von Märkten kennen. Lernen Sie Märkte unterscheiden, an denen man gefahrlos handeln kann und solche, bei denen dies nicht der Fall ist. Lernen Sie die Gefahren der Märkte einzuschätzen.
Module Derivateverständnis:
Lernen Sie die Grundlagen der Konstruktionsweise von Derivaten kennen. Lernen Sie die verschiedenen Typen von Derivaten kennen. Lernen Sie die Zuordnung von Derivaten zu Einsatzmöglichkeiten im kommunalen Treasury kennen.
Modul Risikosteuerungsverständnis:
Lernen Sie die Grundprinzipien der Risikosteuerung im kommunalen Treasury kennen. Verinnerlichen Sie die Grundregeln der Risikosteuerung. Lernen Sie die Instrumente der Risikosteuerung kennen und üben Sie ihre Anwendung an typischen Geschäftsfällen, was auch die korrekte Bildung von Bewertungseinheiten beinhaltet.
 

Was bringt die Basisausbildung in Kurzform:

  • Der Studiengang vermittelt ein wissenschaftlich begründetes und anwendungsorientiertes Grundlagenwissen zu den verschiedenen Feldern des kommunalen Finanzmanagement und Treasury.
  • Es befähigt zum Erkennen von Chancen und Risiken im kommunalen Finanzmanagement und Treasury.
  • Es befähigt zum Erkennen von Zusammenhängen zwischen wichtigen volkswirtschaftlichen Rahmendaten, was auch zur Plausibilisierung von Zinsprognosen und zur Vorbereitung von Absicherungsentscheidungen notwendig ist.
  • Es befähigt zum Erkennen wichtiger Bestandteile von Finanzprodukten und deren Eigenschaften.
  • Es dient der Erlernung rechtlicher Rahmenbedingungen und Prüfungshandlungen.
  • Es dient der Erlernung von Instrumenten zum Controlling und zur Risikosteuerung im kommunalen Finanzmanagement und Treasury.
  • Es dient der Gewinnung eines Verständnisses der Handlungen von Marktteilnehmern an Finanzmärkten.
  • Es befähigt zur Durchführung einfacher Rechnungen zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit von Finanzinstrumenten und Strategien.
  • Es ermöglicht es, den Aufbau und die Eigenschaften sowie die grundlegenden Bewertungsansätze von Derivaten zu verstehen.
  • Die Basisausbildung ist so konzipiert, dass sowohl praxisorientiertes Wissen als auch die theoretischen Grundlagen in einem ausgewogenen Verhältnis gelehrt werden.

Zu guter Letzt: Hätten Sie’s gewusst?

  • Ein Treasurer hat einen Kredit in einer Niedrigzinswährung (Schweitzer Franken) aufgenommen. Der Franken bricht nach der Griechenlandkrise ein. Muss der Kredit jetzt vorzeitig getilgt werden?
  • Ein Mitarbeiter soll eine Zinsprognose erstellen. Er stellt fest, dass sich die Bankenberichte unterscheiden. Für eine eigene Zinsprognose fühlt er sich nicht ausreichend kompetent. Wie soll er sich verhalten?
  • Ein Mitarbeiter stellt fest, dass alle Bankenberichte dieselbe Zinsmeinung vertreten. Ein Freund sagt ihm, das sei ein Zeichen für die Unsicherheit der Banken – eine hätte von der anderen abgeschrieben – denn wenn alle Banken wirklich der festen Meinung wären, die Zinsen würden steigen, wären sie schon gestiegen. Ist die Meinung des Freundes richtig?
  • Ein Mitarbeiter muss über die Laufzeit eines Kredites entscheiden. Banken raten zu langfristiger Laufzeit wegen steigender Zinsen. Kurzfristige Kredite sind aber deutlich günstiger. Darf der Mitarbeiter einen kurzfristigen Kredit aufnehmen?
  • Eine Kommune sucht Anlagemöglichkeiten für ihr Geld. Eine Bank bietet statt einer Anlage auf einem Konto, einen Schuldschein an. Soll die Kommune ihr Geld in einem Schuldscheindarlehen anlegen?
  • Eine Kommune möchte Kredit aufnehmen. Der Bürgermeister schärft Ihnen ein, nicht zu spekulieren. Ein Bekannter sagt, wenn man sich langfristig finanziert, sei das keine Spekulation. Ein anderer Bekannter meint, nur wer sich kurzfristig finanziert, spekuliert nicht, weil er dann im Lauf der Jahre mit einem niedrigen Durchschnittszins rechnen kann. Wer hat Recht? Oder hat keiner Recht?
  • Eine Kommune hat ihr Treasury so organisiert, dass eine Person Geschäfte abschließt und eine Person einer anderen Abteilung die Geschäfte überprüft. Hat sie damit die Anforderungen erfüllt?